Ein Dorf in der Barnimer Feldmark

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+++Evangelische Kirchengemeinde Willmersdorf+++


Evangelisches Pfarramt 
St. Marien Bernau

16321 Bernau, Kirchplatz 8, 
Tel. 03 33 8/ 70 220 
Fax 03 33 8/ 70 22 19
e-mail: bernaustmarien@gmx.de


Kirchenöffnung und Verwaltung Kirchhof Willmersdorf 
zur Zeit
Herr Horst Gröbler
In Willmersdorf 230
Telefon: 03 3398/ 86 375

Gottesdienste: vierzehntägig

Evangelische Kirche Willmersdorf: 
spätromanische Apsis mit Kuppelgewölbe und Chor aus dem Anfang des 12. Jahrhunderts; Anfang des 16. Jahrhunderts Erweiterung zu einer zweischiffigen Anlage; nach dem Brand von 1897 an Stelle des barocken Turmaufsatzes 1901 Fertigstellung des neuen Turms mit Doppelspitze; die ersturkundliche Erwähnung Willmersdorfs 1317 steht im Zusammenhang mit dem Benediktinerfrauenkloster in Spandau.


Geschichte: Das Kloster hatte bis zum Jahr 1577 das Kirchenpatronat inne, also über das Jahr 1539 hinaus, dem Jahr, in dem Kurfürst Joachim II. in Brandenburg die Reformation einführte. Die Brandenburger waren seitdem keine katholischen Christen mehr, sondern gehörten zur evangelischen Kirche. Der Kurfürst übertrug das Patronat dann im Zuge des so genannten Biesenthaler Güteraustausches an die Familie Arnim.

Zu den Pflichten des Patronats gehörte die Bauunterhaltung der Kirche. Es war mit dem Recht verbunden, die Pfarrstelle, soweit eine vorhanden war, mit einem Pfarrer zu besetzten. Es musste aber auch für dessen Besoldung sorgen.
Der für Willmersdorf zuständige Pfarrer wohnte seit 1433 bis ins 18. Jahrhundert hinein in Weesow, was dazu führte, dass das Mutter-Tochter Verhältnis der beiden Kirchen nach 1459 umgekehrt wurde und die Kirche in Weesow vorgeordnete Mutter- also Hauptkirche wurde.

1441 gehörte zum Einkommen des Pfarrers noch ein Kossätenhof. Er wurde vom Geistlichen selbst bewirtschaftet. Er war also selbst auch Bauer damals. Für seine Arbeit als Pfarrer standen ihm noch so genannte Stolgebühren, also Abgaben für Amtshandlungen wie Taufe, Trauung und Beerdigung, zu. Das waren damals 2 Pfennige und eine Mahlzeit für eine Taufe oder eine Trauung. Eine Beerdigung wurde mit zwei Groschen berechnet. Je sechzig Gemeindeglieder, die zum Abendmahl gingen, hatten einen Taler zu zahlen.

Aus der spätromanischen Bauweise und der Verwendung von geschlagenen Granitsteinen ist geschlussfolgert worden, dass die Kirche Anfang des 13. Jahrhunderts errichtet wurde. Damit wäre sie eine der ältesten Dorfkirchen in der Mark Brandenburg. Sie ist aber erstmals im 14. Jahrhundert, also erst wenigstens 50 Jahre später urkundlich genannt. 

Oft errichtete man in der Besiedlungszeit die Kirchen als Wehrkirchen. Für Willmersdorf käme als Schutzraum für die Dorfbevölkerung mit dicken Mauern und kleinen Fenstern nur der älteste Teil der Kirche, also der Chorraum in Frage.

Im 15. Jahrhundert erhielt der Chor ein Kreuzgewölbe. Im 16. Jahrhundert erweiterte man die Kirche um das Langschiff mit zwei Mittelsäulen und Netzgewölbe. Ein Jahrhundert später erfolgte der Einbau von Seiten- und Orgelemporen. 1706 bekam der Turm einen barocken Holzaufbau, 1855 die Orgel von dem Orgelbauer Myklei aus Bad Freienwalde gebaute Orgel.

Am 08. August 1898 brannte gegen fünf Uhr nachmittags der Kirchturm. Der Brand zerstörte die Uhr und beschädigte den Turm. Es folgten umfangreiche Umbauten an und in der Kirche unter Leitung des Baumeisters Petz. 

Die Kanzel wurde vom Altar getrennt, der Altar bekam einen neuen Aufbau, die Seitenemporen wurden wieder entfernt, die Fenster darunter und die Südeingangstür der Kirche geschlossen. Der Turm , durch den jetzt der Haupteingang führt, wurde ganz auf die Breite des Kirchenschiffes erweitert, mit einer neuen Uhr, drei Glocken statt wie vorher einer und einer Doppelspitze versehen. 
Kaiser Wilhelm II. verlieh im Jahr 1900 an den Superintendenten Thiemann aus Biesenthal den Roten Adlerordnen 4. Klasse und an den Bauerngutsbesitzer und Willmersdorfer Gemeindevorsteher Schmidt den Kronenorden 4. Klasse wegen ihrer Verdienste bei dem Kirchenbau.
Die Einweihung 1901 bildete den Abschluss des Umbaus. Dazu stiftete Kaiserin August Viktoria eine Altarbibel, die sich noch heute in der Kirche befindet.
Schon 1912 ersetzte Kupfer die Schiefereindeckung des Turmes.

Im Ersten Weltkrieg gab die Kirchengemeinde die große und die mittlere Glocke zur Einschmelze ab. Zwei Eisengussglocken ersetzten sie 1929. Im Zweiten Weltkrieg ist dann auch die dritte, die kleine Glocke, abgegeben worden. Seit dem gibt es nur noch zwei Glocken im Turm.

Die notwendige Restaurierung der Kirchenfenster erfolgte in drei Etappen nach 1990. 1997 bekam das Dach des Kirchenschiffes eine neue Eindeckung. 1998 mussten die Turmbekrönungen abgenommen werden, konnten aber nach Sanierungsarbeiten am Dachstuhl des Turmes 2002 und 2003 erneuert wieder aufgebracht werden. Die Turmhöhe beträgt jetzt mit Bekrönung 34,31 m. 

Ab 1999 ist an der Erneuerung der Ausmalung der Kirche gearbeitet worden. Die Arbeiten fanden im Jahr 2001 ihren Abschluss.
Die Kirche ist von einem Kirchhof umgeben. Dessen Feldsteinmauer erhielt in den Jahren 2005 und 2006 eine neue Rollschicht. Zugleich wurden Ausbesserungsarbeiten ausgeführt. 

In einem der Dokumente aus dem Jahr 1901, die sich in den 1998 abgenommen Turmbekrönungen befanden, ist der auch noch heute bei den Willmersdorfern lebendige Wunsch aufgeschrieben: „Möchte dieses schöne Gotteshaus, welches eines der ältesten der Mark ist, durch Gottes Gnade noch weitere Jahrhunderte erhalten bleiben.“


Text von Horst Gröbler (Vorsitzender des GKR) und Thomas Gericke (Pfarrer)

 

 
 


 

© Mathias Wiegand